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Durch dick und dünn 


Was bedeutet „Männerfreundschaft“ , und was macht sie aus? nobilis hat bei Hannovers Prominenten nachgefragt. Im zweiten Teil kommen Götz von Fromberg, Dr. Siegfried Tesche und Wolfgang Besemer zu Wort. Text: Beate Rossbach 


Mythos Männerfreundschaften. Was dran und was eher Legende ist – drei weitere Männer berichten über ihre Erfahrungen.

Für Wolfgang Besemer, 56 Jahre, Geschäftsführer von Hannover Concerts, gibt es im Leben wenige echte Männerfreunde, wirkliche Freunde. Klaus Meine von den Scorpions ist einer von ihnen. Seit vielen Jahren existiert die Freundschaft, die über den Beruf entstanden ist. Zwei Schulfreunde, Mario und Manfred, gibt es noch, die beide in ganz anderen Berufen arbeiten, mit denen der Eventmanager aber bis heute befreundet ist.

Auch wenn sie sich mal ein Jahr lang nicht gesehen haben, sei da immer noch eine „unglaubliche Vertrautheit" sagt er. „Mit Manfred gehe ich einmal im Jahr in einer Männerrunde segeln, auf einen Segeltrip zu Fünft, immer im September. Wenn man eine Woche auf engstem Raum unterwegs ist, dann führt man natürlich viele Gespräche. Da kommt dann alles raus, und daher rührt auch diese Vertrautheit."

Wolfgang Besemers aktueller Männerfreund, mit dem er sich regelmäßig trifft, heißt Uwe und ist sein Nachbar: „Uwe ist Physiotherapeut. Nachdem wir uns kennengelernt hatten, bin ich zunächst sein Patient geworden. Später wurde er mein Fitnesstrainer, und heute sind wir wirklich dicke Freunde. Wir verbringen relativ viel Zeit miteinander, denn ich trainiere regelmäßig mit ihm. Wir wohnen beide in Bissendorf und fahren zusammen Fahrrad und machen Ausdauertraining, aber so, dass man sich noch dabei unterhalten kann.

Zweimal in der Woche, meist am Wochenende und bei fast jedem Wetter, fahren wir durch die Wedemark, und über die Gespräche, die wir dabei führen, ist eine unglaubliche Nähe entstanden. Das ist eine ganz intensive, ungestörte Möglichkeit, sich auszutauschen.

Inzwischen haben wir auch schon einige Urlaube mit unseren Kindern zusammen verbracht. Unsere Töchter sind gute Freundinnen. Vorletztes Jahr, als beide acht Jahre alt waren, haben wir mit ihnen auf Mallorca Vater-Tochter-Urlaub gemacht. Wir haben zusammen gekocht, waren Schwimmen, haben Spiele gemacht, und die Frauen waren zuhause.

Mein Trainer ist mein Freund geworden. Mit Uwe kann ich mich über alles unterhalten, da gibt es keine Grenzen. Ich genieße diese Zeit. Das ist eine wunderbare Männerfreundschaft, die völlig unverkrampft entstanden ist und hoffentlich noch lange hält. Ob die Frauen eifersüchtig sind? Das glaube ich nicht. Auf allen Seiten gibt es viel Sympathie. Durch meine Frau habe ich Uwe ja kennengelernt. Es gab keine Eifersüchteleien – im Gegenteil, auch die Beiden pflegen ein gutes freundschaftliches Verhältnis."

Götz von Fromberg, 61, Rechtsanwalt und Notar, pflegt ein ganzes Netzwerk von Männerfreundschaften. Seinen Geburtstag feiert er alljährlich mit einem „Herrenabend", zu dem er rund 90 Freunde zu Bier und hannöverschen Spezialitäten in seinen Krökelkeller einlädt. Die Party ist längst Kult, auf der Gästeliste stehen Namen wie die der Brüder Gottschalk, Udo Lindenberg, Karl Dall, Sigmar Gabriel, Carsten Maschmeyer, Michael Frenzel und Utz Claassen.

„Echte Freundschaften sind die, die unglaublichen Druck aushalten können. Man kennt sich schon jahrelang und weiß, dass man im Ernstfall zusammensteht."Freundschaften entwickeln sich. Somit gibt es langjährige und sehr unterschiedliche Freunde wie den Scorpions-Sänger Klaus Meine, den Neurochirurgen Prof. Amir Samii, WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach, aber auch den Hells Angels-Boss Frank Hanebuth. Die Freundschaft zu Bodo Hombach begann 1996 auf Kuba und wurde durch den Wahlkampf für Gerhard Schröder in Niedersachsen gefestigt. „Wir fahren inzwischen auch zusammen in den Urlaub, mit einem Freundeskreis aus Mülheim a. d. Ruhr."

Es gibt einige ganz alte Freunde, mit denen man alles bespricht und mit denen man auch schon durch dick und dünn gegangen ist. Einer davon ist Ex-Kanzler Gerhard Schröder, den von Fromberg seit über 30 Jahren kennt, aber auch seine ältesten Freunde gehören dazu, mit denen er bereits vor bald 60 Jahren in Kleefeld gemeinsam im Sandkasten gespielt hat: ein Arzt und ein Unternehmer.

„Wir nehmen uns nun etwas mehr Zeit, besuchen uns oft, nicht nur zu den Geburtstagen. Dann werden Erinnerungen aufgewärmt, wir feiern und lachen zusammen. Unsere Kindheit war schön und unbeschwert: Die Eilenriede vor der Tür, die Eltern hatten damals kein Geld aber mehr Zeit, wir hatten ein kleines Paradies mit vielen Spielkameraden. Noch heute besuchen wir regelmäßig unsere alte Heimat Kleefeld, wo wir zu Dritt groß geworden sind, gehen in unsere alte Stammkneipe „Bei Edgar" und trinken dort das eine und andere Bier. Dann gibt es die Geschichten von früher …"

Natürlich müssen Freundschaften gepflegt werden. „Wenn ich Probleme habe, spreche ich mit meinen besten Freunden, auch Gerhard Schröder hat immer ein offenes Ohr für mich, und wir treffen uns auch regelmäßig mit unseren Familien. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man immer offen und ehrlich miteinander umgeht. Echte Freunde helfen sich gegenseitig und freuen sich mit mir über Erfolge."

Viele, die Götz von Fromberg gut kennen, sagen, er sei ein „schwarz-weiß Typ". Stimmt das? „Das kritisiert meine Frau auch häufig, aber so weiß jeder, woran er mit mir ist. Man muss eben Freundschaften auch beenden können, wenn man enttäuscht wird. Männerfreundschaften können aber nur gepflegt und erhalten werden, wenn auch die Ehefrauen sie unterstützen und tolerieren."

Dr. Siegfried Tesche, 52, ist Journalist und Buchautor. Er hat sich unter anderem als James Bond-Experte einen Namen gemacht und sagt zu Freundschaft und Beruf: „Da gibt es keine Freunde, da gibt es nur Kollegen, nett oder weniger nett, mit denen ich mich arrangiere und mit denen es eine Geschäftsbeziehung gibt. Für eine gute Freundschaft reicht das jedoch nicht.

Aber Freundschaft, egal ob zu Männern oder zu Frauen, ist das Wichtigste, was man auf der Welt haben kann. Daher schließe ich auch nicht leicht Freundschaften, sondern bin ziemlich kritisch. Meine drei besten, langjährigen Freunde habe ich in den siebziger Jahren kennengelernt, in Ferienlagern, wo wir Ferienkinder betreut haben. Seitdem haben wir uns immer wieder geholfen, wenn wir oben oder unten waren, bei problematischen Beziehungen, Umzügen und finanziellen Missständen – also in jeglicher Hinsicht.


Jeder dieser Freunde hat in meinem Leben eine andere Bedeutung: Mit dem einen habe ich meine ersten Fernreisen gemacht. Er hat mir Asien nahe gebracht und damit eine völlig neue Welt eröffnet. Zusammen haben wir viel Interessantes erlebt, mit Rucksack und vier oder fünf Wochen unterwegs, in Thailand, Malaysia, Singapur ... Mit dem anderen Freund habe ich viele Reisen durch Europa gemacht, und zwar mit dem Motorrad. Auch da haben wir so einiges erlebt: Regen, Mini-Zelt und Mini-Matratze, Campingkochen und Salz vergessen – Sachen, die ich heute nicht mehr unbedingt erleben möchte. Aber lustig war es damals doch.

Mit dem dritten Freund gehe ich fast jede Woche schwimmen. Weil die anderen viel unterwegs sind, telefoniere ich mehr mit ihnen. Ich kann sagen, wir kennen uns alle in- und auswendig, und es hat nie etwas gegeben, das die Freundschaften gefährdet hätte. Niemals.

Heute haben die Drei Familien und Kinder und andere Prioritäten. Aber wir treffen uns immer mal wieder. Auch Frauen waren zwischen uns nie ein Störfaktor. Meine Freunde werden auch von allen meinen Freundinnen oder Partnerinnen gemocht – und umgekehrt. Scheint so, dass ich ein gutes Händchen habe, mir die Leute auszusuchen, die sich vertragen und zusammenpassen."


 
Zurück Quelle: Nobilis - März 03/10
 

 
 
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