Es ist ein überwältigender Blick auf den Fluss Tejo und auf das ehemalige Expogelände, das zum modernsten Stadtteil Lissabons geworden ist. In der 21. und 22. Etage des mit grünem Glas verspiegelten Hochhauses befindet sich das schicke Maisonette-Appartement von Martin Lawrenz. Von hier aus liegt ihm die Stadt zu Füßen.
Als der Hannoveraner vor drei Jahren seinen Lebensmittelpunkt hierher verlegt hat, entschied er sich ganz bewusst für das neuzeitliche Lissabon und gegen die berühmte malerische Altstadt: „Die Alfama ist schön für Touristen", sagt der Immobilienmakler, „zum Wohnen für mich aber zu morbide." Dagegen ist dieser Bereich, der heute „Park der Nationen" heißt, für ihn das Symbol des neuen Lissabon: „Großzügig, weltoffen, glitzernd. Hier gibt es Restaurants, Clubs, Museen, Theater, edle Geschäfte und das zweitgrößte Meeresaquarium der Welt. In den umliegenden Wohnblocks leben mittlerweile mehr als 90 000 Menschen."
Warum Hannover das mit seiner Expo 2000 nicht geschafft hat, fragt Martin Lawrenz bedauernd. Und er bewundert die Portugiesen, die solch ein gigantisches Urbanisierungsprojekt schultern konnten – und das im Zuge einer kleinen Weltausstellung, die 1998 hier stattgefunden hat.
Wo früher heruntergekommene Schuppen und Lagerhallen standen und den Blick auf den Tejo versperrten, glänzen jetzt Portugals architektonische Perlen der Moderne: die futuristische Vasco da Gama-Brücke, die das breite Tejo-Delta überspannt, sowie das Mekka aller Architekten, der High-Tech-Bahnhof Oriente. Er ist ein Palmenhain aus Stahl und Glas, entworfen vom spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava.
In diesem hypermodernen Stadtteil baut sich der 50-Jährige gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Manuel Neto eine neue Existenz auf und erzählt, wie es dazu kam: „Als gebürtiger Bayer mit einer Vorliebe für Lissabon, die ich schon als 16-Jähriger entdeckt habe, lernte ich in einem bayerischen Bierkeller in Hannover einen Portugiesen kennen." Über diese erste Begegnung vor 19 Jahren amüsiert sich der schlanke große Mann mit den forschenden Augen noch heute.
Seit Januar 2009 mischt das deutsch-portugiesische Gespann die Immobilienbranche in ganz Portugal auf. Martin Lawrenz hat von Engel & Völkers, dem internationalen Maklerunternehmen, die Master-Lizenz für Portugal erworben und dafür eine nicht unerhebliche Summe investiert. Und das mitten in der schwersten Nachkriegs-Krise, in der es um das Immobiliengeschäft mehr als schlecht bestellt ist? „Gerade dann muss man Mut zeigen und investieren", ist der studierte Betriebswirtschaftler überzeugt. „Immerhin vermakeln wir unsere Immobilien in Portugal schon mit 20 Angestellten."
Bevor er an den Tejo kam, hat Martin Lawrenz mit Wind-energie erfolgreich Geld verdient. Das hätte mehr als gereicht, um sich zur Ruhe zu setzen und sich am Haus in Kirchrode zu erfreuen, das sich die beiden Männer stilvoll ausgebaut haben. Martin, der Tüftler, der Technikfreak, hatte dabei vor allem die Stahlbauer vor große Herausforderungen gestellt. Vom neuen Wintergarten aus gibt es barrie-refreie Sicht auf den Schwimmteich, und die offene Küche kann man mit Hilfe einer raffinierten Glaswand-Konstruktion unsichtbar machen.
Seine große Vorliebe für Designermöbel hat sich beruflich niedergeschlagen: Martin Lawrenz wurde zum Teilhaber des hannoverschen Einrichters Steinhoff und ist dort nebenher für Controlling und Finanzen zuständig. „Nicht nur, weil ich mit der Familie befreundet bin, ich habe investiert, weil mir das Konzept gefiel."
Sein Partner, der 47-jährige Manuel, der sechs Sprachen spricht, in seinem ersten Job in Hannover als Kellner begann und sich bis zum Leiter einer Büroorganisation hoch arbeitete, ist der Mann mit den künstlerischen Ambitionen. So gern er malt, so gern er in Hannover Museen oder die Oper besucht und besonders stolz auf die kürzlich erhaltene deutsche Staatbürgerschaft ist, hat es ihn doch in sein Mutterland zurückgezogen: „Für den Ruhestand fühlten wir uns zu jung. In meiner Heimat, die wir nur noch als Urlaubsland kannten, wollten wir noch einmal etwas Neues ausprobieren." Ganz klar schlagen zwei Lieben in der Brust der beiden Männer – eine für die „Provinzstadt mit Weltniveau" und eine für die „Stadt des Lichts und der Melancholie".
An Hannover schätzen sie die liberale Atmosphäre, das Messeflair, den Maschsee, das große Kulturangebot und die Überschaubarkeit. „Lissabon hat als Hafenstadt eine ganz besondere Note. Die Stadt schwelgt in Vergangenem und befindet sich dennoch im Aufbruch", beschreibt Martin Lawrenz das neue Zuhause. Das hätte er auch auf Portugiesisch erzählen können, denn mittlerweile beherrscht er die Sprache fast perfekt.
„Doch so faszinierend das Leben in Lissabon ist, mit Hannover sind wir täglich verbunden und verfolgen aufmerksam die Lokalnachrichten." Was sie in Portugal vermissen? „Mettbrötchen und Spargel!" Ein Grund mehr, Hannover und ihrem Haus in Kirchrode vier- bis fünfmal im Jahr einen Besuch abzustatten – immer per Auto, da Martin Lawrenz kein Flugzeug besteigt. Auch der deutschen Windenergiebranche hat er nicht komplett „Ade" gesagt. Seine Meinung als Vorstandsmitglied im Wirtschaftsverband Windkraftwerke ist nach wie vor gefragt. „Außerdem besitze ich noch ein paar Windräder", sagt er augenzwinkernd.
Infos zu Immobilien in Portugal unter www.engelvoelkers.com/lisboa