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Wovon ich träume … 

... dass zukünftig mehr Frauen im Management sind! 


Ihre Biografie ist traumhaft. Von der Verwaltungsangestellten in Kalefeld bei Northeim schaffte es Gisela Strnad bis ins Management des weltweit viertgrößten IT-Konzerns: Für Fujitsu – 6.000 Mitarbeiter in Deutschland und mit EntwickIung und Produktion in Augsburg – verantwortet die 49-Jährige in Deutschland das Marketing. Text: Gisela Strnad  


Heute morgen bin ich aus einem Traum aufgewacht, der nicht so schön war: Ich war in einer traumhaft schönen Landschaft, schleppte aber eine Riesen-Handtasche, verlor die Menschen, die um mich waren und fürchtete, einen Zug zu verpassen, den ich unbedingt erreichen musste. Da war viel Druck, Anspannung und Unsicherheit, alles ganz kurios. Es hatte aber nichts mit realen Erlebnissen zu tun.

Meine nächtlichen Träume sind wie mein Leben: Bunt, farbig und überraschend. Und immer ist es im wirklichen Leben anders gekommen, als ich gedacht oder geträumt hatte. Von der Arbeit und von dem, was noch alles zu erledigen ist – davon träume ich sehr selten. Es gibt viele schöne Träume, aus denen ich ungern erwache. Leider bleiben diese meist nicht in meiner Erinnerung, nur das Gefühl, dass ich das Aufwachen bedauere.

Als Mädchen vom Dorf habe ich von einer beruflichen Laufbahn niemals geträumt! Karriere war nie mein Ziel, ich wollte aber immer Dinge schaffen, umsetzen und gestalten. Das was man „Karriere" nennt, ist auf mich zugekommen. Ich habe die Herausforderungen lediglich angenommen. Sicherlich hatte ich auch Ängste, aber es ist fast immer gut gegangen.

Marketing ist mein Traumberuf: Ideen und Pläne in Events, Messen, Werbung und Kommunikation umsetzen und mit Menschen ins Gespräch kommen ... Eine Idee langsam zur Realität entwickeln und zu sehen, wie ein Geschäft für das Unternehmen daraus wird! Ich sehe gern, wenn etwas wächst, wenn sich Dinge entwickeln. Marketing basiert auf Analyse, Zielmarkt-Definition und realistischer Umsetzung.

Ich bin eine Realistin mit einem hoffentlich guten Gespür dafür, wie gute Angebote ansprechend verpackt werden. Gerade in der Computerindustrie, einer technischen Welt, die zu 80 Prozent männliche Kunden adressiert, brauchen wir realistische Ansätze. Und wenn wir von Träumen sprechen: Im Management Board der Fujitsu in Deutschland bin ich leider die einzige Frau, exemplarisch für viele andere Unternehmen. Ich fände es schön, wenn zukünftig mehr Frauen im Management wären.

Es gibt eine interessante Begebenheit, die aus meinem Beruf resultiert: Die meisten wichtigen Entscheidungen meines Berufs- und teilweise auch meines Privatlebens sind auf der CeBIT gefallen. Die CeBIT war für mein Leben mehrfach schicksalhaft: Interessante berufliche Veränderungen haben sich dort angebahnt, aber auch die Tatsache, dass ich nach 25 Jahren wieder nach Niedersachsen zurückgekommen bin, hatte mit der CeBIT zu tun!

Gelegentlich lasse ich mein Leben Revue passieren oder träume, wie es bislang war, und was wohl noch kommt. Vieles davon bleibt ein Wunschtraum, beispielsweise: Wenn ich den Schreibtisch voller Arbeit habe, und es ein schöner Tag ist, dann einfach die Arbeit liegen zu lassen und einmal an den Maschsee zu gehen. Ich denke, dazu bin ich zu pflichtbewusst. Ich arbeite also weiter und träume nur davon, wie schön es wäre, dort zu sitzen. Andererseits habe ich aber auch immer versucht, die Träume, die sich realisieren lassen, umzusetzen.

Einen dieser Träume, auf einem Großsegler in südlichen Gefilden zu segeln, zu sehen wie die Segel gesetzt werden und den Wind zu spüren – diesen Traum werden wir uns Ende März erfüllen. Ich finde Segelschiffe toll, seitdem ich einmal einen Managementkurs auf einem Großsegler absolviert habe und miterleben durfte, wie ein Team bei rauer See und Sturm zusammen funktioniert. Vielleicht hat der Traum aber auch seinen Ursprung darin, dass mich als Kind Piratenfilme so fasziniert haben.

Ein anderer Traum war immer ein schönes Zuhause. Ich habe diesen Traum in allen meinen Lebenssituationen immer wieder realisiert. Vor drei Jahren haben wir uns diesen Traum mit einem neuen Haus auf dem Land erfüllt und fühlen uns dort sehr wohl. Es ist schön zu wissen: Du bist jetzt angekommen! Wie nach einer langen Reise.

Menschen, denen ich vertraue, erzähle ich von meinen Träumen. Ich bin generell ein Mensch, der gern offen kommuniziert, obwohl ich weiß, dass eine zu offene Kommunikation auch problematisch sein kann. Bislang hatte ich aber immer Glück.

Wenn andere mir ihre Träume erzählen, finde ich das schön. Ich träume dann gern mit und freue mich darüber, wenn Menschen noch träumen können. Ich mag Menschen, die mit Herzblut bei der Sache sind. Eine solche Frau ist für mich Margot Käßmann. Sie traut sich, Dinge auszusprechen und umzusetzen. Und sie weiß, dass Sie nicht immer nur Befürworter hat, nimmt Kritik aber auf sich.

In meinen Augen ist sie eine Kämpferin, und ich finde Ihre Ehrlichkeit bewundernswert. Ich kenne sie nicht persönlich. Als ich in der Hannoverschen Landeskirche und der EKD ehrenamtlich aktiv war, war Margot Käßmann noch nicht in Hannover. Damals wäre es übrigens undenkbar gewesen, dass eine Frau ein solches Amt – EKD-Ratsvorsitzende – übernimmt! Ich bin gespannt, wie sich die Protestantische Kirche unter Ihrer Leitung verändern wird.

Zur Person:
Gisela Strnad wurde 1960 in Northeim geboren und ist in der Nähe aufgewachsen. Nach dem Schulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Mit dem Ausstieg aus dem öffentlichen Dienst und dem Wechsel zu einem IT-Dienstleistungsunternehmen, inklusive internationaler Weiterbildung, begann ihre Marketing-Management-Karriere: Die Unternehmen, bei denen sie tätig war, wurden immer größer und ihre Jobs immer verantwortungsvoller. Für die Firma Bull leitete sie u.a. den Bereich Marketingkommunikation für Deutschland, Österreich und die Schweiz, und sie gehört heute als „Senior Direktor Marketing, Kommunikation und Public Affairs" zum Führungskreis von Fujitsu Technology Solutions in Deutschland. Ehrenamtlich hat sich Gisela Strnad viele Jahre in der Evangelischen Kirche engagiert, u.a. war sie sechs Jahre Jugenddelegierte für die EKD Synode und Vorsitzende der Landesjugendkammer der Hannoverschen Landeskirche. Später bezog sich ihre ehrenamtliche Tätigkeit mehr auf den Beruf: Seit 14 Jahren ist sie in unterschiedlichsten Funktionen und Arbeitskreisen des IT-Verbandes BITKOM aktiv. Gisela Strnad lebt seit acht Jahren mit Ernst Raue, Mitglied des Vorstandes Deutsche Messe AG, zusammen.


 
Zurück Quelle: Nobilis - März 03/10
 

 
 
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