Es ist ein Gefühl von Freiheit, und das Herz ist leichter als Luft", beschrieb er einmal seine ersten Flugstunden im Segelflieger. Da war Günter Leonhardt gerade einmal 16 Jahre alt. Pilot zu werden war für den technikbegeisterten Jungen ein Traum, der nicht in Erfüllung gegangen ist.
Ein Glück, so blieb der gebürtige Münsteraner am Boden, überlebte Krieg und Gefangenschaft und baute aus dem Nichts ein florierendes Speditionsunternehmen in Hannover auf. Doch die Sehnsucht nach der Fliegerei blieb. Ein Leben lang.
Günter Leonhardt sammelte alles, was mit dem Fliegen zu tun hatte. Am Anfang waren es Trümmerstücke, die er gefunden und zusammengekauft hat, „Schnäppchen für Schnäppchen". Er ließ keinen Flohmarkt aus, hielt bei Auktionen meist ganz oben mit und investierte viel Geld in die sorgfältige Restaurierung seiner Schätze.
Er gab ein Vermögen aus für Einzelteile und für die Bergung von Flugzeugwracks: aus Seen, Mooren und aus dem Meer. Äußerst spektakulär war die Bergung mehrerer Ju-52-Maschinen vom Grund eines norwegischen Sees am Polarkreis. Elf Junkers Transportflugzeuge waren 1940 mit dem letzten Tropfen Sprit auf dem zugefrorenen See gelandet.
Mit dem Schmelzen des Eises sind sie versunken – bis Günter Leonhardt und seine Freunde, mit einer eigens gegründeten Interessengemeinschaft, vier Flugzeuge retteten. Dafür hat er 1,5 Millionen Mark an Spenden gesammelt, hat Gleise verlegen und Kräne mit Seilwinden am Ufer aufstellen lassen. „Als die erste Maschine aus 72 Metern Tiefe hochkam, klopfte mein Herz. Das war ein echtes Abenteuer", erinnert sich der 82-Jährige.
1992 eröffnete Günter Leonhardt sein Museum auf einem Teil seines Firmengeländes an der Ulmer Straße in Laatzen. Heute ist für den alten Herrn, der sein Unternehmen schon vor langer Zeit verkauft hat, das Museum seine ganze Leidenschaft. Jeden Tag schaut er vorbei, obwohl er viele Mitstreiter gefunden hat, die wie er infiziert sind und bei jedem Geräusch am Himmel nach oben schauen.
„Wir wollten die Geschichte der Luftfahrt so zeigen, wie sie wirklich gewesen ist", sagt Leonhardt. „Deutsche Erfindungsgabe hat zwar die Technik des Fliegens weit vorangebracht, aber sich auch in den Dienst einer verheerenden Kriegsmaschinerie stellen lassen und unsägliches Leid über die Menschheit gebracht. Wir gedenken in diesem Museum auch der toten Flieger aller Nationen."
Vom Eindecker bis zum Düsenjet: Auf 3500 m² Ausstellungsfläche bieten sich dem Besucher in zwei Hallen 4500 Exponate, darunter 30 Luftfahrzeuge – von der Montgolfière, über Lilienthals Gleiter und Grades Eindecker, von den Ein-, Doppel- und Dreideckern des Ersten Weltkriegs bis zum ersten Verkehrsflugzeug der Welt, der Junkers F13. Über 700 Flugzeugmodelle, mehr als 20 Kolbenmotoren und Strahltriebwerke, der Druckanzug eines Überschallpiloten und englische Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg machen Luftfahrt und ihre Geschichte lebendig.
Aus dieser Zeit stammen auch die Glanzstücke der Sammlung: Die britische Spitfire Mk.XIV – die einzige, die in einem deutschen Museum zu sehen ist. Daneben die deutsche Messerschmitt Bf 109 G-2, die 1987 von einem deutschen Piloten vor der korsischen Küste entdeckt wurde. Schließlich der Jagd-Einsitzer Focke Wulf 190-A-8 – aus den letzten Kriegsjahren, der vornehmlich gegen die alliierten Bomberströme im Einsatz war. Günter Leonhardt bezahlte die Bergungskosten von 150 000 Euro aus eigener Tasche. Jetzt stehen sie einträchtig beieinander, drei Flugzeuge, mit denen man sich einst erbittert bekämpfte.
Die Exponate werden liebevoll durch Gegenstände aus ihrer jeweiligen Zeit ergänzt: Kinderspielzeug, Bücher, Bilder oder Haushaltsgeräte. Die Flugmaschinen aus Lilienthals Zeit stehen neben der Pferdekutsche, Urgroßmutters Nähmaschine neben einem Schrankkoffer von Kronprinz Wilhelm ...
Von den ehrenamtlichen Museumsmitarbeitern erfährt man interessante Geschichten: Dass die legendäre Hannoveranerin Elly Beinhorn an Bord ihres 80 PS starken Flugzeugs 1931 zu ihrem ersten Weltflug aufbrach, der sie nach Indien, Thailand, Bali, Australien, Neuseeland, Südamerika führte, dass Hans Grade eine Pilotenschule gründete, die bis 1914 rund hundert Piloten ausbildete, oder welche Mythen sich um den „roten Baron" Manfred von Richthofen ranken, dessen Absturz bis heute Rätsel aufgibt. Ein Glück für Hannover und alle Flugzeug-Enthusiasten, dass Günter Leonhardt damals als junger Mann am Boden geblieben ist.
Alle Infos unter www.Luftfahrtmuseum-Hannover.de