Zypern ist in erster Linie durch die landschaftlichen Attraktionen bekannt", sagt Dr. Katja Lembke. „Welchen Stellenwert die Insel in kultureller Hinsicht hat, tritt darüber leider oft in den Hintergrund." Um dies zu ändern, hat die Direktorin des Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus- Museums ein ehrgeiziges, europaweit einmaliges Projekt initiiert: Die Ausstellung „Zypern – Insel der Aphrodite" soll vom 13. März bis zum 12. September die vielfältigen archäologischen Facetten der Insel näher bringen. Zeitlich von daher besonders passend, dass vor 50 Jahren die Republik Zypern gegründet wurde, deren Präsident Dimitris Christofias zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schirmherrschaft für die Ausstellung übernommen hat.
Die Schau umfasst mehr als 200 Exponate, davon rund 120 aus zyprischen Museen. Auch der Pariser Louvre hat spektakuläre Ausstellungsstücke beigesteuert. Die frühesten Exponate stammen aus der Zeit um 6000 vor Christus, die jüngsten sind auf die römische Kaiserzeit im 2. bis 3. nachchristlichen Jahrhundert zu datieren. Der Schwerpunkt liegt allerdings beim ersten Jahrtausend vor Christus. Eine Zeit, in der Zypern im Zentrum des kulturellen wie wirtschaftlichen Austauschs zwischen Ost und West stand, einen mediterranen Knotenpunkt bildete, in dem sich schließlich Einflüsse von Ägypten bis Griechenland vereinten.
„Um das deutlich zu machen, haben wir Abteilungen über die einzelnen Stadtstaaten eingerichtet", erläutert Lembke. So werden luxuriöse Grabbeigaben aus dem an der Ostküste gelegenen Salamis ebenso zu sehen sein wie eine Reihe von Weihegaben aus dem Heiligtum der Astarte im südlichen, von Phöniziern besiedelten Kition. Im Landesinneren wiederum liegen die Städte Tamassos und Idalion, in denen der Bergbau eine besondere Rolle spielt. Dem beträchtlichen Kupfervorkommen verdankt die Insel sogar ihren Namen, der von „aes cyprium", dem „Erz aus Zypern" zu „cuprum" latinisiert wurde, woraus sich die Bezeichnung „Kupfer" ableitet.
Das sinnliche Zentrum der Ausstellung bildet Aphrodite. Die „schaumgeborene" Liebesgöttin ist einst, so will es die Legende, just in Zypern an Land gestiegen. Ein marmorner Aphrodite-Torso aus dem 1. Jahrhundert vor Christus, der sinnigerweise tatsächlich im Meer vor Nea-Paphos entdeckt wurde, ist ein Höhepunkt der Schau. „Es gibt aber auch schon viel früher Darstellungen einer Fruchtbarkeitsgottheit", erläutert Lembke. „Das sind allerdings stark schematisierte Figuren, die zum Teil nicht einmal klar einem Geschlecht zugeordnet werden können."
Auch und gerade die kleinen Exponate haben ihren Reiz. Wunderbar gearbeitet ist etwa ein nur gut 6 Zentimeter hoher Terrakotta-Kopf aus der Zeit des späten 4. oder frühen 3. vorchristlichen Jahrhunderts. Das hochelegante Stück, das deutlich griechischen Einfluss zeigt, stammt aus dem Louvre, ebenso wie ein mehr als ein Jahrtausend älterer goldener Fingerring mit einer fein eingravierten Sphinx. Beeindruckend auch eine Terrakotta-Amazone aus dem 3. Jahrhundert vor Christus: Die dynamische Dame wirkt mit Keule und Löwenskalp wie eine Art weiblicher Herakles.
Münzfreunde kommen hier ebenso zu ihrem Recht wie diejenigen, die sich besonders für sakrale Objekte oder Alltagsgegenstände interessieren. Eine Abteilung der Schau behandelt „Schrift" und bietet einiges zu den geheimnisumwitterten „Ur-Zyprern", deren Sprache und Schrift bislang nicht enträtselt werden konnten. Nicht zuletzt könnten auch Freunde moderner Kunst in Hildesheim interessante Beobachtungen machen: Das Modell eines stierkopf-gekrönten Heiligtums aus der frühen Bronzezeit etwa hätte auch Pablo Picasso oder Max Ernst nicht übel zu Gesicht gestanden.
Bliebe vorerst nur noch zweierlei zu klären. Erstens: Heißt es nun „zyprisch" oder „zypriotisch"? „Wenn es um die Antike geht, sprechen wir von ,zyprisch’", klärt Lembke auf. „Im Zusammenhang mit der Moderne ist beides möglich." Und welche zypriotische Speise bevorzugt die Museumsdirektorin – immerhin gehört zum umfangreichen Begleitprogramm ja auch ein Angebot an landestypischen Speisen im hauseigenen Restaurant? „Ich persönlich mag die levantinische Richtung sehr gern. Halloumi zum Beispiel, ein halbfester, würziger Käse. Eine tolle Vorspeise."