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Das Wunder von Hannover 


Wie Rudolf Hillebrecht Hannover veränderte. Text: Jörg Worat 


Unter diesem Titel erschien im Juni 1959 ein „Spiegel-Artikel" über den Wiederaufbau der Stadt. Und im Mittelpunkt stand dabei ein Mann, dessen Wirken bis heute Gegenstand zahlreicher Diskussionen ist: Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht. Sein Geburtstag jährt sich 2010 zum 100. Mal. Aus diesem Anlass gibt es noch bis zum 28. März die Ausstellung „Hillebrecht und Hannover". Ihr Hauptteil ist im hannoverschen Baudezernat am Rudolf-Hillebrecht-Platz zu sehen und eine begleitende Schau im Historischen Museum.

Mit Fotos, Plänen, Texten sowie einem Film sollen die Grundzüge der hiesigen Stadtplanung in der Zeit von Hillebrechts Amtstätigkeit zwischen 1948 und 1975 deutlich gemacht werden. Die Nachkriegssituation stellte sich verheerend dar: Hannover war zu 50 Prozent zerstört, der Innenstadtbereich gar zu 90. Man möchte also meinen, dass die erste Aufgabe des neuen Stadtbaurats der Wiederaufbau gewesen sei – doch mit diesem Wort wird Gerhard Kier, Referent der Fachbereichsleitung Planen und Stadtentwicklung, nicht glücklich: „Der passendere Begriff ist ,Neuaufbau’. Denn Hillebrecht hat stets die zukünftigen Entwicklungen im Blick gehabt. Seine Konzepte berücksichtigten zum Beispiel von Anfang an, dass sich das Verkehrsaufkommen in absehbarer Zeit beträchtlich erhöhen würde. In vielen anderen Städten gab es solche Überlegungen nicht, was dort später zu entsprechenden Schwierigkeiten führte."

Hannover also in einer Vorreiter-Rolle, zumal es dem Stadtbaurat gelang, die unterschiedlichen Interessenlagen zusammenzuführen. Wie man etwa am Kreuzkirchen-Viertel sehen kann, wo Hillebrecht durch die Installation einer Aufbaugenossenschaft zu verhindern wusste, dass unkoordinierte Aktivitäten der Grundstücksbesitzer zu einer Zersplitterung der urbanen Landschaft führten. Auch versuchte Hillebrecht bei der Planung neuer Stadtviertel eine soziale Durchmischung herbeizuführen. Das repräsentative Moment vergaß der Stadtbaurat über alledem nicht: Entgegen ursprünglicher Planungen setzte er durch, dass der Landtag im Leineschloss Einzug hielt.

Die Ausstellung ist in drei Abschnitte unterteilt: die Zeit des Wieder- oder Neuaufbaus bis 1959, die Phase der Konsolidierung bzw. des Ausbaus und die Großprojekte 1968 bis 1975. „Der Besucher kann an jeder Stelle einsteigen und auf der Zeitachse vor- und zurückgehen", betont Kurator Dr. Sid Auffarth. Der renommierte Bauhistoriker äußert sich auch dazu, dass der 1999 verstorbene Hillebrecht ja nicht unumstritten geblieben ist: Während die Einen ihn als Visionär preisen, kritisieren andere, dass er wenig Rücksicht auf historische Bausubstanz genommen habe.

Auffarth möchte diese Positionen ausbalancieren: „Den Abriss der ,Wasserkunst’ hat Hillebrecht später ja selbst bedauert. Das Ihme-Zentrum, das auch immer genannt wird, hatte er nicht als Betonklotz angelegt. Ihm schwebten einzelne Hochhäuser vor." Investoren machte diese Planungen zunichte. „Uns geht es darum, seine historischen Verdienste beim Neuaufbau und bei der Modernisierung der Landeshauptstadt herauszuheben und mögliche Versäumnisse zu relativieren. Wir sind nun einmal Menschen unserer Zeit!"


 
Zurück Quelle: Nobilis - März 03/10
 

 
 
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