Die Anschnallgurte klicken. Volker von Wülfing schaut in den Rückspiegel: „Wie mutig sind Sie?" Mutig genug für die Testfahrt im 477 PS starken Aston Martin Rapide. „Ich bin nicht gerne Beifahrer," fügt der Immobilienmakler hinzu. Dafür fahre er viel zu gerne selber – und schnell. Von 0 auf 100 in 5,2 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit von 296 km/h – das will der autoaffine Unternehmer austesten. Deshalb stellt er das 2-Automatikgetriebe gleich in den „Sport"-Touchtronic-Modus, der die Schaltvorgänge verkürzt.
Ein erstes „Oh" entfährt dem Testfahrer. Denn nach dem Druck auf den Startknopf ist ein wahrlich satter Sound zu hören. Zwölf Zylinder heulen auf, die Auspuffanlage tut ihr übriges. Sofort ist klar: Dies ist keine viertürige Limousine sondern ein Sportwagen in bester englischer Tradition. Ein Sportwagen, den Agenten bevorzugen. Seit Sean Connery alias James Bond 1964 den legendären DB5 bestieg, ist die Liaison zwischen Aston Martin und Agent 007 zur leidenschaftlichen Liebe geraten. Von der sich auch Immobilienagent von Wülfing anstecken lässt. Spezielle Raffinessen wie Raketenzünder oder Knöpfe für Schleudersitze sucht man zwar vergeblich, aber „die Instrumente sind klar angeordnet."
Das handgefertigte Lederinterieur und die BeoSound-Audioanlage von Bang & Olufsen mit 15 (!) Lautsprechern überzeugen ebenso wie die Tatsache, dass die Hebel zur Sitzeinstellung seitlich an der Mittelkonsole angebracht sind. „Ein durch und durch edles Fahrzeug." Der gegen den Uhrzeigersinn funktionierende Drehzahlmesser ist ungewöhnlich. Auch das Fehlen des Schaltknüppels: Der wird ersetzt durch Knöpfe auf dem Armaturenbrett, gleich neben dem gläsernen Startmodul – dem typischen Markenzeichen von Aston Martin.
Das Sport-Coupé setzt Maßstäbe. Und wird nicht selten mit dem Panamera verglichen, dem Viertürer von Porsche. Ein Vergleich, den man bei Aston Martin gelassen hinnimmt. Optisch kann es der elegante Rapide ohnehin problemlos mit jeder Konkurrenz aufnehmen. Allein die elegante Linienführung mit der langgezogenen und sich nach vorne verjüngenden Motorhaube und die konturierten Kotflügel, die die serienmäßigen 20-Zoll-Räder massiv in Szene setzen, sind schlicht als wunderschön zu bezeichnen. Sehr gelungen ist auch die Verbundverglasung: Die B-Säule ist bei geschlossenen Seitenfenstern nicht zu sehen. Dies verleiht dem Wagen ein durchgehendes Profil. Und von Wülfing ergänzt: „Im Gegensatz zum Panamera nimmt man beim Rapide die hinteren Beifahrertüren gar nicht richtig wahr."
Auch er zieht während der Testfahrt Vergleiche zum Viertürer. Zwei Porsche nennt der gelernte Bankkaufmann sein Eigen. Einen Cayenne für jeden Tag und ein Cabrio für den Sommer. Den ersten Porsche kaufte sich von Wülfing bereits mit 19 Jahren. Aber auch im Audi R8, im Bentley und in einigen anderen Luxuskarossen hat er schon hinter dem Steuer gesessen. Statussymbole? Nein, winkt der 51-Jährige gut gelaunt ab. Eher Büro, noch besser Nutzfahrzeuge: „Ich fahre pro Jahr 70- bis 80 000 Kilometer." Der hannoversche Immobilienmakler hat noch ein weiteres Büro in Braunschweig und demnächst eine Agentur in Hamburg. Auch nach mehr als 25 Jahren Selbständigkeit „liebe ich meinen Beruf noch wie am ersten Tag."
Mit der gleichen Leidenschaft fährt er Auto. Nun geht es auf die Autobahn. Rasant, zackig. Die Sensoren, die Gaspedal, Bremsdruck, Lenkung und Fahrgeschwindigkeit überwachen, haben gut zu tun. Deshalb will sich so richtiges Agentenfieber nicht einstellen. Den Fuß fest auf dem Gaspedal, ein Auge auf dem Tachometer, bemerkt von Wülfing: „Das dauert aber schon, bis der Motor die Leistung überträgt." Knapp zwei Tonnen Gewicht halten den Gefährten des Agenten dicht am Boden. Und das ist gut so, finden die mutigen Beifahrer auf den eleganten Rücksitzen.
Technische Daten
Fahrzeug: Aston Martin Rapide
Motor: V-12
Getriebe: „Touchtronic 2" 6-Gang-Automatik
Leistung: 350 kW (477PS)
Hubraum: 5935 cm³
Höchstgeschwindigkeit: 296 km/h
von 0 auf 100: 5,2 Sekunden
Verbrauch: 16,5 l/100 km (kombiniert)
Preis: 190.300 Euro (inkl. MwSt.)