Kulinarischer Genuss bei Sonnenschein. Zeit, um die Seele baumeln zu lassen und dem Alltag eine kleine Pause zu gönnen. Gute-Laune-Farben bei Geschirr und Servietten, eine große Decke, kühle Sommerdrinks, dazu abwechslungsreiche Snacks aus frischen Produkten, mit Liebe zubereitet, angerichtet und serviert – so schmeckt der Sommer! Gastgeber für das „Restaurant im Rasengrün" ist übrigens die Stadt Hannover, die mit Picknickplätzen aufwarten kann, von denen andere Städte nur träumen.
Beginnen wir mit einem wahrhaft königlichen Vergnügen in traumhafter Umgebung, einem Picknick im Großen Garten Herrenhausen. Bereits Sophie, Kurfürstin von Hannover und Ehefrau von Ernst August, schätzte das kunstvoll gestaltete Grün. Hier zu flanieren und mit Denkern wie Gottfried Wilhelm Leibniz geistreiche Gespräche zu führen, zählte zu den bevorzugten Beschäftigungen der Kurfürstin, deren Sohn Georg I. zum König von England ernannt wurde.
Heute kann sich jedermann hier sein Vergnügen machen, jeden Tag, das ganze Jahr hindurch. Ob man auf dem gepflegten Rasen lagert, eine Bank oder den Baumschatten in das ganz persönliche Freilufttheater mit einbezieht – die Kulisse ist einzigartig. So ungewöhnlich übrigens wie der Service der Schlossküche Herrenhausen. Sie packt Picknickkörbe in verschiedenen Varianten, gefüllt mit Mövenpick-Köstlichkeiten, und mit allem Zubehör. Die Vögel liefern die Tischmusik zu Caesar´s Salad mit Nordseekrabben, zu Frischkäsedip mit Gemüsestangen und zu Pfirsich-Tiramisu. Luxuriöse Gaumenfreuden unter freiem Himmel.
Als weiterer exquisiter Ort bietet sich der Stadtpark direkt am Congress Centrum im Stadtteil Zoo an. Der unter Denkmalschutz stehende Park mit seinen kunstvoll angelegten Gärten und lauschigen Plätzen zwischen Gehölzen und Stauden, Wasserspielen und Skulpturen ist täglich von 8 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Auch hier kann man sich in gärtnergepflegter Umgebung niederlassen – vielleicht in der Nähe der Fontänen, die von April bis Oktober zwischen 15 und 18 Uhr sprudeln, oder mit Blickrichtung zum japanischen Teegarten mit Teehaus, in dem die traditionelle Kunst der Teezeremonie abgehalten wird.
Beobachtet man die heiteren kleinen Picknickgesellschaften ringsum, wird rasch sichtbar, wo Profis am Werke waren. Sie haben einfach alles dabei: die Picknickdecke, Geschirr, Besteck, Gläser, Servietten, Flaschenöffner, Schneidebrett, Brotmesser, Salz- und Pfefferstreuer, Kühlbox mit Kühlelementen, Küchenrollen und – ganz wichtig – Müllbeutel. Als besonderen Luxus beim romantischen Picknick gönnen sie sich für Wein oder Prosecco echte Gläser. Andere wiederum entrollen ein Sonnensegel oder spannen den kleinen Gartenschirm auf. Richtig kuschelig wird es auf der grünen Wiese, wenn man sich gemütlich auf Kissen lagern kann.
Wer seine Decke am Maschpark hinter dem Neuen Rathaus ausbreitet, befindet sich auf einem der meistbesuchten öffentlichen Anlagen Hannovers. Das Ensemble aus Architektur und Parklandschaft stammt aus dem 19. Jahrhundert, wurde als erste kommunale Parkanlage gestaltet und bis heute erhalten. Man dreht sich einmal um die eigene Achse und hat alles im Blick: Sprengel Museum, Landesmuseum, Neues Rathaus, Kestner-Museum – eine grüne Oase in angenehmer Atmosphäre und mit Beschaulichkeit. Wir könnten unseren Picknickkorb am Wasserspiegel des Maschteichs abstellen, aber heute sind die Modellboot-Flitzer vor uns da, also gesellen wir uns zu der beeindruckenden Skulptur „Die große Familie".
Das gesellige Essen auf dem Boden, das Schlemmen unter freiem Himmel ist übrigens keine Erfindung der Neuzeit. Die alten Griechen hatten bereits einen eigenen Begriff dafür, „Eranos", Fest der Sinne. Geladene Gäste, meist reiche Athener, pilgerten in die umliegende Gebirgslandschaft, um sich dort einem Fest der geistigen Art hinzugeben. Teilnahmebedingung war: Jeder Gast hatte etwas beizusteuern, eine Rede, ein Lied, einen Trunk oder den bloßen Willen, sich offen an einem gemeinsamen Gespräch zu beteiligen.
Im Zeitalter des Barock erlebten die Freiluftgelage der Antike eine Wiedergeburt. Große Impressionisten wie Claude Monet thematisierten die Mahlzeit „sur l´herbe" – auf den Wiesenkräutern – in stimmungsvollen Gemälden. Auch die Briten pflegten und pflegen das Picknick. König Charles I. inszenierte es als Happening, indem er alle Schloss-parks für seine Untertanen öffnen ließ. Diese sollten ihre mitgebrachten Speisen auf königlichem Boden in erlauchter Gesellschaft der Herrscherfamilie genießen können.
In der lebhaften Gesellschaft von schnatternden Gänsen befindet man sich gleich gegenüber, am Maschsee. Er ist zu jeder Jahreszeit Garant für einen erholsamen Tag mitten in der Stadt. Auf der Ufermauer haben wir es uns gemütlich gemacht und genießen die köstliche Vielfalt, die unser Korb zu bieten hat. Unkompliziert sollten die Vorbereitungen sein, und so packen wir leckere Sandwiches und belegte Baguettes aus, dazu würzige Cocktailtomaten, gegrillte Antipasti, einen Nudelsalat, Minifrikadellen und aus der Kühltasche den frischen Sommerwein, dazu Mineralwasser und Saft.
Picknickfreuden mit Kindern sind am erholsamsten für alle, wenn gleich nebenan ein Spielplatz wartet. Gäbe es den Hermann-Löns-Park nicht, so müsste er „erfunden" werden. Er liegt im Stadtteil Kleefeld, zwischen der Eilenriede, dem historischen, seit über 600 Jahren erhaltenen Stadtwald und dem Tiergarten, einem 300 Jahre alten ehemaligen herrschaftlichen Jagdrevier. Ein echter Volkspark ist das, mit Sportanlagen, Freibad, Kleingärten, Liegewiesen und Spielplätzen. Obwohl von Bahnanlagen und Verkehrsstraßen umgrenzt, vermittelt er Ruhe, Großzügigkeit und Freiheit.
Geliebt und genutzt wird der Von-Alten-Garten mitten im Stadtteil Linden. Aber auch Nicht-Lindener, mit Fahrrädern unterwegs, spüren gern dem historischen Zauber der Anlage nach. Sie gehörte dem Reichsgrafen Franz von Platen, der um 1690 dort ein Schlösschen errichten und einen großzügigen repräsentativen Barockgarten nach französischem Vorbild anlegen ließ. Die Industrialisierung Lindens, die Zerstörungen des letzten Krieges, in dem das Schloss bis auf das steinerne Kellergeschoss abbrannte, erzwangen tiefgreifende Veränderungen. Heute dient der Park als schöne Umgebung für soziale Einrichtungen, auch der Spielplatz ist für jedermann zugänglich. Hunde allerdings dürfen sich im neu hergerichteten Bereich an der ehemaligen Schlossterrasse nicht aufhalten. Schon der Eingang durch das historische Torhaus beeindruckt. Wir gehen bis zur alten Grotte, die neu in Szene gesetzt wurde.
Unsere letzte Anlaufstelle fürs sommerliche Picknickvergnügen ist der Stadtteil Ahlem. Seit 2004 gibt es, hinter Häusern und privaten Gärten versteckt, ein weiteres grünes Juwel, den Willy-Spahn-Park. Hier gehen Natur und Industriekultur eine für die Gartenregion Hannover einmalige und spannungsreiche Beziehung ein. Sieben Eingänge erschließen den Park, dessen verschiedene Ebenen über geschwungene Wege, Treppen und Rampen miteinander verbunden sind. An der ersten Obstbaumterrasse, der Kirschwiese vorbei, geht es von Rosen und Johannisbeersträuchern begleitet, hinab in die Senke.
Eine wechselvolle Geschichte hat dieses Gelände erlebt – von der ersten Kalkbrennerei Ahlems um 1850 über die spätere Nutzung als Obstplantage durch die Familie Spahn bis zur öffentlichen Anlage, die eine einzigartige Besonderheit zu bieten hat: Hier können sich die Picknicker ihren süßen Nachtisch von Bäumen und Sträuchern selber pflücken! Ob Brombeeren oder Himbeeren, ob Äpfel oder Birnen, Süß- und Sauerkirschen, alles darf verspeist werden, und man lässt sich nicht lange bitten.
Während sich alle am frischen Obst gütlich tun, kommen die Kinder zum Kern der Sache: „Woher stammt denn überhaupt das Wort Picknick"? Lebhaftes Rätselraten beginnt. So genau weiß es keiner. Fest steht lediglich, dass England und Frankreich sich die Erfinder-Ehre teilen dürfen. „Pick a nick" und „pique un nique" bedeuten dasselbe, nämlich „schnapp dir eine Kleinigkeit".